Es war ein wunderschöner Ostersonntag-Morgen. Der Tag versprach wieder sonnig und warm zu werden, jedoch jetzt um sieben Uhr früh spürte man noch die Kälte des Schnees der Rax, eine der letzten Ausläufer der Ostalpen, die jetzt schon von der aufgehenden Sonne bestrahlt wurde und sich mit seiner weissen Decke märchenhaft vom satten Grün der übrigen Landschaft abhob. Meinen Hund, Aron, and der Leine, beschloss ich, Kresse aus einem naheliegenden Bach zu pflücken. Ein kurzes Stück gings mit dem Auto, und nach den Wohngebieten zu Fuß weiter. Jetzt nur noch ein kurzer, steiler Abhang und wir standen am Ufer des kleinen Gebirgs-Bächlein. Ruhig sprudelte es dahin in einer unberührten, märchenhaften Landschaft. Die Reste der letzten Windbrüche waren noch zu sehen, vor 2 Jahren hatte ein arger Sturm richtige Schneisen in diesem Waldstück hinterlassen. Jeztzt lag aber alles ruhig vor mir, nur das Gezwitscher der Vögel begleitete das Gemurmel des Bächleins. Beethovens "Sechste" kam mir in den Sinn, dieses Werk beschreibt klanglich vortrefflichst die Idylle, die sich mir darbot.
Beinahe hätte ich unter diesen Eindrücken vergessen, weshalb ich hierher kam, aber es war ein richtiges Schauspiel, was ich zu sehen bekam. Das Tal, in dem das Bächlein floss, lag noch im dämmrigen Schatten, links ober mir, steil einen Hang hinauf, sah man nun, von der Sonne bestrahlt, die oberste Spitze des Turmes der Burg, die über dieser Landschaft trohnt. In wenigen Minuten wird sie auch den Rest dieses Bauwerks in ihr gleißendes Licht getaucht haben.
Nun ging es aber doch noch an´s Kresse sammeln, beim Pflücken kostete ich einige Stämmchen, ihr leicht bitterer, aber intensiv scharfer Geschmack war sehr erfrischend, einem guten Essen stand also nichts mehr im Wege. Genug gesammelt, wollte ich die Pöschung hoch, zurück zum Auto, als etwas Schwarzes neben mir ins Wasser platschte. Ich schaute, da sah ich die gelben Rückenpunkte eines Feuersalamanders und gegenüber, am anderen Ufer streckte ein zweiter seine Tatzen etwas unbeholfen auf einen kleinen Felsen, ein ungemein lieblicher Anblick dieser beiden Reptilien - Reliquien aus grauer Vorzeit. Was kann einem an einen wunderbaren Ostersonntag-Morgen noch schöneres widerfahren - und zu Hause erwartete uns schon ein eiersuchendes Enkerl beim Sonntagsfrühstück.........
